Mit der Sonne im Herzen liest es sich gleich viel besser – der bewegende Alltag der Mundartautorin Judith Rimmelspacher

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„Unheimlich, dicht, emotional und authentisch“ – so beschreibt der Romanautor Horst Koch Judith Rimmelspachers Biografie mit dem Titel „Gründonnerstag.“ Andere Worte, mit denen man die 1946 in Karlsruhe geborene und seitdem der Stadt treu gebliebene Mundartautorin beschreiben kann, sind „warmherzig, empathisch, authentisch, ehrlich, respektvoll, einfach liebenswürdig.“ Ihre Biographie, in der sie schmerzvolle Erinnerungen an den Selbstmord ihres Vaters, an ihre eigene schwere Depression und die liebevolle Unterstützung durch ihren inzwischen verstorbenen Mann oder andere, die Autorin prägende Erlebnisse schildert, ist nicht das einzige Werk, das sie in dem sympathischen Glanz schillern lässt, den ihre gesamte Aura umgibt. Auch Werke wie „Mei Lebe isch e Liebesgschicht“, für das sie 1991 den Badischen Mundartpreis erhalten hat, haben sie nicht nur in Karlsruhe und darüber hinaus berühmt gemacht. Auch mit „Zum Glück gibt’s des noch“ oder „C’est la vie ihr Seggl“ begeistert sie ihre Zuhörerinnen und Zuhörer bei Lesungen zum Beispiel innerhalb der Literaturtage Karlsruhe oder im Therapiezentrum Münzesheim mit ihrem herzerwärmenden Lächeln. Mit dem Schreiben hatte sie schon in ihrer Kindheit und Jugendzeit begonnen und sagte sich „Ich schreibe und werde eine berühmte Schriftstellerin.“ Mit der Verleihung des Mundartpreises 1991 begann ihr Traum, berühmt zu werden, schließlich wahr zu werden und so sagt sie „Die Geschichte meiner Waldstraße, die mich bis heute beschäftigt, hat mich veranlasst, alles in dem Buch ‚Mei Lebe isch e Liebesgschicht‘ niederzuschreiben. Und dieses Buch, das kann ich sagen, ging weit über die Grenzen Badens hinaus bis nach Amerika und Australien, wo Karlsruher leben, die immer noch Verbindung zu ihrer Heimatstadt haben. Durch Rundfunk- und Fernsehsendungen und eine eigene Fernsehsendung wurde ich weit über die Grenzen Badens hinaus bekannt.“

Wie ist sie nicht nur zu der Schriftstellerin Judith Rimmelspacher, sondern auch zu dem Mensch geworden, der sie heute ist?

Darauf antwortet die Autorin „Das ist einfach, wie meine Eltern mich geprägt haben, die Kindheit, die schlimm und schön zugleich war. Das einschneidende Erlebnis war der Suizid meines Vaters, als ich 14 Jahre alt war und meine Kindheit von heute auf morgen vorbei war. Ich habe früh gelernt, für meine Familie und mich selbst Verantwortung zu übernehmen. Meine Mutter hat mir von Kindheit an Lebensfreude und einen unerschütterlichen Glauben mitgegeben, der bis heute anhält. Der Glaube an die Institution Kirche ist zwischenzeitlich ins Wanken geraten, weil ich auch für einen Gotteslohn gearbeitet und viele Blessuren davon getragen habe.“ „Verantwortung“ ist ein gutes Stichwort, mit dem sich auch Judith Rimmelspachers beruflicher Weg gut beschreiben lässt. 1963 hatte sie zunächst die mittlere Reife gemacht und anschließend in den Jahren 1963-68 eine Ausbildung zur Büroanfängerin bei der evangelischen Kirchengemeinde absolviert. Im Fach Deutsch war die Mundartautorin die Beste. Sie hätte gern studiert oder wäre gern Bibliothekarin geworden, aber „wir hatten kein Geld.“

Stets „mit viel Liebe und Leidenschaft“ bei der Sache

Das Herz hat Rimmelspacher aber nach wie vor auf dem rechten Fleck und so leistete sie auch ihre hauptberufliche Arbeit, die sie fast 30 Jahre in der Suchtberatungsstelle im Diakonischen Werk Karlsruhe inne hatte, „mit viel Liebe und Leidenschaft“, wie sie berichtet. Über diese Arbeit sagt sie, dass es auch wichtig sei, Grenzen zu setzen und sich abzuwechseln indem, Wärme und Distanz zu zeigen und zugleich zu lernen. „Das war ein langer Prozess.“ Heute hat sie immer noch eine Leidenschaft für die Menschen um sie herum sowie für Bücher, und nicht zuletzt für Sprüche und Lebensweisheiten, wie sie sie im Einleitungsteil vom „Gründonnerstag“ benennt: „Man muss viele Leidenschaften haben in seinem Leben. Es ist zu kurz, als dass man sowas nur einmal erleben sollte.“ Auch die lange Beziehung zu ihrem Mann, mit dem sie 55 Jahre verheiratet gewesen ist, sei von allen Höhen und Tiefen geprägt gewesen, vor allem als sie ihn bis zuletzt vor seinem Tod gepflegt habe. Davon zeugt auch ein Teil ihres Bücherregals, in dem Indianerfiguren und ein Foto von beiden zu sehen ist. „Er war weit dieser Zeit voraus im Gegensatz zu den anderen Frauen, die pünktlich zu Hause sein und das Essen zeitnah auf den Tisch stellen sollten“, sagt Rimmelspacher lächelnd. Wie oft bindet sie das Schreiben in ihren Alltag ein? „Ganz spontan. Das kann auch mal nachts sein, dass ich einfach so aufstehe, alles stehen und liegen lasse und einfach aufschreibe“. Was das Besondere für sie daran ist, Texte in Mundart vorzutragen? „Es vermittelt ein Gefühl von Heimat. Ich freue mich, dass sich die Mundart nicht mehr so in einer extremen Nische befindet wie früher. Man sollte das auch nicht verleugnen. Jeder sollte seinen Dialekt hochhalten und stolz darauf sein.“ Am nächsten Projekt, Liebesgedichten mit dem Titel „It’s no time like this time – Gedichte vom Leben, Lieben und Leiden“, ist sie gerade dran. Es wird genauso spontan erscheinen, wie sie eben ist. Schließlich „sollte man alles mit Liebe tun. Das ist nicht immer einfach, aber machbar. Wer seine äußere Ordnung hat, hat auch seine innere.“ Darauf lässt die ordentliche, aber gemütliche Wohnung mit Büchern, Bildern und Schallplattensammlung genauso schließen wie die ganze Persönlichkeit Judith Rimmelspachers. Wichtig ist ihr noch zu sagen, dass sich ihr Leben durch „Dankbarkeit diesem reichen Leben gegenüber, für meine Kinder und Enkel sowie für die wahrhaftigen Freunde“ auszeichne.

https://verlag-regionalkultur.de/autoren-herausgeber/r/rimmelspacher-judith/

http://judith.rimmelspacher.de/

Anmerkung: Der Beitrag wurde als Manuskript so im Auftrag der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) erstellt, aber dort in einer anderen, gekürzten Version, mit einem anderen Bild, veröffentlicht.

Eine Frau mit Herz ist sie ganz und gar: die Mundartautorin Judith Rimmelspacher.

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